Sonntag, 3. August 2008

Wanderurlaub auf la Gomera

3.8. Die Anreise: "Würden Sie bitte auf meinen Koffer aufpassen? (Teil 3)"

Es hat schon Tradition, das irgendwas schief geht, wenn ich verreise. Ob verpasster Flieger nach Bogotá, vergessener Koffer auf dem Weg nach Italien oder gestohlene Papiere in St. Cruz de la Sierra - um nur ein paar Highlights zu nennen. Aber meistens geht's doch irgendwie glimpflich aus, so auch diesmal.

Um's Haar wäre ich am Vorvorabend der Abreise meine Brieftasche losgewesen. Habe sie aber "nur" beim Einkaufen im HL an der Kasse liegen gelassen und das Fehlen zum Glück keine halbe Stunde später bemerkt, als ich mich mit Rita, Betty und Hubert zum sommerlichen Alt-Waldshuter-Treff im Rappen in Horben getroffen hatte. Kurz überlegt, wieder runter ins Vauban, und da lag sie tatsächlich - mit all meinen Papieren, Euro- und Kreditkarten, Ausweis und Führerschein. Das hätte genau gepasst, ein Tag vor Abflug ohne alles dazustehen!

Dagegen war es dann eher harmlos, dass am Morgen der Abreise der Wecker nicht geklingelt hat (es war Samstag und der Wecker auf "Wochenendruhe" programmiert) und der Taxifahrer mich aus dem Bett klingeln musste. Und auch die 6 Kilo Übergewicht meines Reisekoffers konnten mich beim Einchecken nicht wirklich aufhalten. Immerhin war ich schlau genug, doch noch einen früheren Bus zum Flughafen zu nehmen als ursprünglich geplant. Das hätte sonst doch etwas eng werden können - bei der Riesenschlange vor dem einzigen Schalter für den Flug nach Teneriffa und dem Umweg auf die Schweizer Flughafenseite zum Bezahlen der 30 € Übergepäckgebühr für 6 Kilo Gepäck über Gebühr.

Der Flug nach Teneriffa verlief reibungslos. Die Stewerdessen waren freundlich, der Koffer, den ich im Flughafen Tenerife Sud vom Band schnappte, diesmal wirklich meiner (anders als damals in Detroit) und am Ausgang wartete tatsächlich, wie angekündigt, ein Vertreterin des Veranstalters und ein Bus, der mich an den Hafen von Los Cristianos zur Fähre nach la Gomera brachte.

Dort erst mal gut drei Stunden Aufenthalt bis zur Überfahrt. Willkommen in Disneyland. Da sind sie also die Touristenmassen, die Sommer für Sommer auf den Inseln einfallen. Rund um die Hafenbucht Hasenstall-artige Hotels und Ferienwohnanlagen für die Urlauber-Käfighaltung soweit das Auge reicht, hineingepflanzt in die wüstenähnlich kahle Felslandschaft des Inselsüdens. Rund um den Strand, der direkt an den Hafen grenzt, die üblichen Cafés, Restaurants und sonstigen Geschäfte für den täglichen Urlaubsbedarf. Wobei ein Gutteil der Ladenlokale leer stehen und zur Vermietung angepriesen werden, zumindest in den weniger attraktiven Lagen.

Ich also auf zur Suche nach einer Telefonkarte für das geborgte Ersatzhandy (mein altes Sony Ericcson verweigert beharrlich das Wiederaufladen das Akkus mit jedwedem Ladegerät und taugt deshalb nichtmehr für unterwegs). Die einschlägigen Elektronikläden - ausnahmslos von Indern oder Pakistani betrieben - führen zwar "Tarjétas telefonicas", aber nur mit Zahlenkombination und nicht mit einem Chip, wie ich eine bräuchte. Beim Abklappern sämtlicher Haupt- und Seitenstraßen stoße ich endlich auf einen Laden des größten nationalen Anbieters "Tefefonica", der steht aber leer und ist zu vermieten (siehe oben). Ein weiterer scheint noch in Betrieb, ist aber am heutigen Samstag Nachmittag geschlossen.

Das Projekt Telefonkarte also erst einmal verschoben, besorge ich mir in einem Supermarkt erstmal eine Flasche Wasser und gönnte mir später an der Strandpromenade eine Ruhepause bei einem ersten Bierchen im Schatten. Welche Wohltat bei diesen wahrhaft afrikanischen Temperaturverhältnissen! Und welche Überraschung über die erstaunlich günstigen Preise: eine 1,5l-Flasche Wasser für 55 Cent und eine echte Halbe ("Jara") für 2,50€ bekommt man zu Hause in Freiburg nirgends (und schon gar nicht direkt am Strand)!

Um 17h mache ich mich dann auf zur Fähre. Und was für eine Fähre! Der "Benchijigua Express", eines von wenigsten 5 Monsterteilen der Fred-Olsen-Flotte, die die ganzen Kanarischen Inseln miteinander verbindet. Ein schwimmendes Ungetüm. Am Hafenanleger zeigt sich das Schiff von der Rückseite und wirkt wie ein plumper kastenförmiger Conatinerfrachter, gut 6 bis 8 Stockwerke hoch. Schaut man genauer hin (von der Seite oder von vorne) entpuppt sich das Gefährt als Highspeed-Trimaran wie aus einem James-Bond-Film; einmal an Bord glaubt man sich in der Lobby eines Vier-Sterne-Hotels. Dieser Fred Olsen ist oder war laut Reiseführer ein norwegischer Einwanderer, der als einer der ersten auf La Gomera mit dem Anbau von Bananen begonnen und sich damit wohl eine goldene Nase verdient hat. Mittlerweile betreibt er nicht nur eine Luxushotelanlage und einen Golfplatz auf der Insel, sondern eben auch den größten Fährschiffbetrieb das Archipels.

Die 40-minütige Überfahrt verlief angenehm trotz ordentlicher Brise, und auch im Hafen von San Sebastián de La Gomera wurde ich - wie versprochen - von einem Fahrer erwartet, der mich einmal quer über die Insel zu meinem Zielort Valle Gran Rey bringen sollte. Da ich der einzige Fahrgast für diese letzte Etappe war, reichte jetzt ein Taxi.

Mein kleiner Rucksack lag schon im Kofferraum und ich saß auf dem Beifahrersitz, froh nach diesem langen Tag endlich ans Ziel zu kommen, als mich der Taxifahrer mir großen Augen nach meiner "Maletta", dem Koffer fragte. Ach du Sch... - mein Koffer. Da war doch noch was. Das wäre ja auch zu schön gewesen, jetzt einfach losfahren und ein Stunde später im Hotel endlich unter der Dusche stehen zu können.

Natürlich, da war ja noch mein übergewichtiger Riesenkoffer voller Wanderklamotten und Laufschuhe (die Wanderschuhe hatte ich zur Gewichtsersparnis schon den ganzen Tag an den Füßen). Den Koffer hatte ich glatt vergessen! Aber zum Glück weder am Flugplatz noch am Hafen von Teneriffa. Das Gepäckstück hatte ich in einem mobilen Schließfach-Wagen am Kai deponiert, der von den Fred-Olsen-Leuten vor der Abfahrt aufs Schiff und nach Ankunft wieder an Land gebracht wurde. Und darin lag ordnungsgemäß mein Koffer und den Schlüssel zum Schließfach hatte ich in der Tasche. Nur daran gedacht hatte ich - nach mittlerweile 13 Stunden Unterwegssein - einfach nicht mehr, als ich das Taxi bestieg. Wie peinlich! Aber ich gönne dem Fahrer und seinen Kollegen, die die Geschichte gleich brühwarm erzählt bekamen, die Schadenfreude über diesen bescheuerten "Tourista". Nach dieser Schrecksekunde ging es dann - MIT Koffer und allem anderen - über die kurvige Bergstraße auf die letzten 40 km meiner Reise.

Und die unvermeidliche Panne? Die ereilte diesmal tatsächlich nicht mich, sondern den alten Mercedes meines Chauffeurs. Am Armaturenbrett leuchteten plötzlich eine orange und eine rote Warnleuchte auf, die den Fahrer offensichtlich mehr beunruhigten als mich und ihn veranlassten an der nächsten Möglichkeit anzuhalten, sein Handy zu zücken und zu telefonieren. Was dazu führte, dass kurz darauf ein anderer Toristenabholer mit dem gleichen Fahrtziel anhielt und mich - mitsamt Gepäck - in seinen Kleinbus einlud. Und tatsächlich wohlbehalten und im Besitz meiner gesamten "Equipaje" am richtigen Ort absetzte, dem "Charco del Conde", wo auch tatsächlich ein Zimmer für mich reserviert war und die wohlverdiente Dusche auf mich wartete. Endlich im Urlaub!