Es gibt solche und solche - wie überall. Die einen Solchen, friedensbewegte Gutmenschen leisten Ihren Tribut zur Rettung der Welt, indem sie in kleinen offenen Fischerbooten zum "Whalewatching" rausfahren, Vier Stunden in einer offenen Berkasse unter der prallen Sonne aushaltend, das Abenteuer und das gute Gefühl genießend, sich gleichsam als friedliebende Botschafter der ansonsten bösen Spezies Mensch ökologisch korrekt den heiligen Meeressäugern zu nähern, um dort ihre Absolution für die kleinen Restsünden ihres ansonsten umweltbewussten Lebens abzuholen.
Die anderen Solchen bevorzugen etwas mehr Komfort, ein schattiges Plätzchen unter dem Sonnendeck eines Ausflugsschiffes und die Bewirtung mit einem ausgiebigen Mittagessen an Bord (frisch gegrillter Thunfisch, Salatbüffet inkl. Sangria, Wein, Wasser und anschließendem Kaffee). Sie fahren zu den gleichen Plätzen vor der Küste, sehen die selben Delfine und Wale - und das vermutlich deutlich besser vom Sonnendeck des Schiffes als quasi auf Wasserhöhe wie ihre ökologisch korrekten Brüder und Schwestern. Statt gutes Gewissens gibt es anschließend noch Badespaß in einer ruhigen Bucht unddas gute Gefühl einen schönen Tag auf dem Meer genossen zu haben.
Wer mich kennt, wird wissen, welcher Variante ich den Vorzug gegeben habe. Wäre ich 30 Jahre jünger, hätte mich ohne Frage für das Fischerboot entschieden. Ich denke, so gibt es für jede Klientel das passende Angebot und solange man persönliche Vorlieben nicht mit der allein seelig machenden Wahrheit verwechselt, können beide Varianten auch gut nebeneinander existieren. Und ob die Anfahrt mit einem größeren Boot den Walen und Delfinen mehr oder weniger schadet (wenn überhaupt), bin ich nicht in der Lage zu beurteilen. Wenngleich die Behauptung, das Ausflugsboot würde sich nur auf eine gehörige Entfernung den Tieren nähern und dann die Maschinen stoppen (wie das von der Reiseleiterin, die diese Tour empfohlen hatte, ein kritischen Nachfragerin versicherte), sich als glatt an den Haaren herbeigezogen erwies! Stattdessen - immerhin mit kleiner Fahrt - mittenrein und den gesichteten Delfinen und Walen immer hinterher.
Allerdings - auch das Fischerboot mit den anderen Whalewatchern habe ich nicht rudern sehen ...
Es gibt halt solche und solche - auch an Land: Die Einen bevorzugen Hotel und Swimmingpool, die anderen das Campieren unterm Himmelzelt bzw. in den Höhlen der berühmten "Schweinebucht". Da wo der gomerianische Tourismus angeblich seinen Anfang nahm. Mit einem Haufen Hippies, die sich in den 70ern außerhalb von Valle Gran Rey in besagter Bucht und den dort vorhanden Höhlen häuslich nieder gelassen haben. Es gibt sie noch, die Schweinebucht und auch die genügsamen langhaarigen "Ruinas, wie sie der Einheimische ohne falsche Romantik nennt, sind dort vereinzelt noch anzutreffen, wie man auf der Rückfahrt vom Schiff aus sehen konnte. Schön eigentlich, und für Gomera irgendwie stimmig, dass auch diese "alte Tradition" vom modernen "Qualitätstourismus", der sich mehr und mehr zu verbreiten scheint, noch nicht (ganz) verdrängt worden ist. Auch hier gilt: vor 30 Jahren wäre auch ich sicher dabei gewesen :-)

Dass der Spapat zwischen solchem und solchem nicht ganz einfach ist, konnte ich im "Tropischen Fruchtgarten Argaga" erleben. Einer kleinen botanischen Oase, zu der man am Ende des Weges hinter dem "Vueltas"-Strand gelangt. Dort haben sich deutsche Aussteiger mit viel Arbeit einen üppigen Garten voller exotischer Obstbäume und -Sträucher geschaffen, in den sie sich - ziemlich weit weg vom Rest der Welt zurück gezogen haben. Um den im Laufe der Zeit ansteigenden Besucheranfragen nach Besichtigungsmöglichkeit des Gartens (und sicher auch dem Bedürfnis nach einer regelmäßigen Einkommensquelle) nachzukommen, gibt es mittlerweile zwei Mal wöchentliche Führungen samt Verkostung der dort wachsenden Früchte.
Mehr als deutlich drängte sich - nicht nur mir - der Eindruck auf, dass die Eigentümerin sich schon sehr überwinden muss, ihre weltabgeschieden Exklave den touristischen Eindringlingen zu öffnen. Selten habe ich mich mehr als unwillkommener Störenfried gefühlt als hier. Und das, obwohl die sehr fachkompetente Führerin sich mehr als bemühte, einen gastfreundlichen Eindruck zu machen. Allein, das Bemühen sprach Bände! Denn die eigentliche Botschaft an die Besucher - "eigentlich habt hier nichts zu suchen" - war aus Gesten und Habitus der alten Dame nicht zu überhören. Vielleicht hatte sie auch nur einen schlechten Tag. Aber vielleicht ist es auch nicht einfach, sich offen auf fremde Menschen einzulassen, wenn man sich schon zu lange vor dieser Welt zurückgezogen hat und ganz offensichtlich auch nichts mehr mit ihr zu tun haben will. Wie gesagt, es gibt solche und solche - und die Gräben dazwischen können tief sein. Nicht nur beim Walebeobachten.Mehr Bilder hier >>
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