Um 9h geht's los vor dem Restaurant "Charco del Conde". Gerechnet hatte ich mit einer Handvoll Unentwegter Wandersleut' - gekommen ist ein ganzer Reisebus voll, besetzt bis auf den letzten Platz. Neben der teutonischen Fraktion auch eine ganze Reihe Engländer, zwei Holländerinnen und vereinzelte andere Nationaltäten. Verteilt auf vier Führer geht es auf eine ca. vierstündige Tour in den Nationalpark "Garajonay" im Zentrum der Insel, also oben in den Bergen.Gleich zu Anfang der Aufstieg auf den höchsten Gipfel Gomeras, den "Garajonay", dem der Nationalpark seinen Namen verdankt. Und dieser Name wiederum - jedem illustren Plätzchen seine Legende - stammt von einem Liebespaar ab, das sich in grauer Vorzeit hier in einer letzten Umarmung gemeinsam das Leben genommen haben soll (in dem sie einen beidseitig zugespitzen Ast, auf ihrer beider Herzen gerichtet, in ihre Umarmung miteinbezogen haben). Ihre Liebe zu dem von der Nachbarinsel herübergekommenen "Gara" wurde nämlich von der auf Sippenreinheit bedachten Familie der jungen hübschen "Najay" nämlich nicht geduldet - also irgendwie Romeo und Julia auf gomerianisch.
Vom Gipfel abwärts ging es dann in die viel gerühmten Lorbeerwälder des Inselinneren, unter sachkundigen Erklärungen unserer Führerin Brigitta, im Hauptberuf Besitzerin des Restaurants "El Fuego" im Ortsteil Borbalán von valle Gran Rey. "El Fuego" (das Feuer) deshalb, weil eine ihrer Spezialitäten - na? - Flammkuchen sind, eine Spezialität ihrer deutschen Heimat, und wo könte das sein? Natürlich im Badischen, genauer in der Ortenau. Kleine Welt, mal wieder.
Dank Brigittas ausgezeichneter botanischer Kenntnisse konnte man so einiges über die heimische Pflanzenwelt erfahren, über Flechten, Baumheide, Lorbeerbäume und viele andere Pflanzen - z. B. dass es über 40 Sorten gibt, d ie nur auf Gomera existieren, über den raffinierten Wasserhaushalt vieler Sukkulenten (fleischige wasserspeichernde Arten) und die Tatsache, dass fast die Hälfte des Wassers auf der Insel von den Gomerakiefern mit ihren bis zu 15 cm langen Nadeln förmlich aus den Passatwolken herausgekämmt wird. Daher der Begriff "Horizontalregen". Richtig spannend, was die Natur da wieder mal zu Wege gebracht hat, um sich auch unter widrigen Bedingungen mit dem Nötigsten zu versorgen.Meine "Mars-Theorie" (kein Oberflächenwasser, alles unterirdisch) wurde in der Tat bestätigt, gibt es doch wirklich nur ganz wenige wasserführende Bäche auf der Insel; einen davon bekamen wir auch am tiefsten Punkt unserer Tour zu sehen und schon fühlte man sich in Mitten der Bäume und Farne dank des Plätschern des kühlen Nasses dem heimischen Schwarzwald ganz nahe.
Sogar zum Auffüllen der Trinkflaschen war Gelegenheit - an einer mitten im Wald liegenden Kapelle, der "Hermita de Nuestra Señora de Lourdes" hat sich irgendwann ein Spaßvogel erlaubt, eine Wasserleitung in einen Baum zu verlegen, aus dem nun kühles klares Quellwasser rinnt. (Das "Kein-Trinkwasser"-Schild am Baum habe nur rechtliche Bedeutung, da die Quelle nicht kontrolliert werde - alles glauben wir es mal und lassen uns zu dem erfrischenden Schluck aus dem Baumstamm verleiten.)
Alles in Allem ein gelungener Einstig ins "Wanderparadies" la Gomera, schöne Aussichten, interessante Einsichten, und das Alles im Schatten und der relativen Kühle des Waldes. Relativ kühl deshalb, weil dieser Tage der berüchtige "Calima", ein heißer Wüstenwind von afrikanischen Kontinent auch in dieser sonst eher kühleren Bergregion die Temperaturen auf über 30 Grad ansteigen lässt - im Schatten natürlich. Den Nebelwald als solchen (im Nebel des Passatwindes also) kann man in den Sommermonaten sowieso nicht erleben, lerne ich heute. Prima, also wieder mal voll daneben gelangt in der Urlaubsplanung. Macht man halt das Beste daraus. Und zur Hauptreisezeit November, Dezember, sei die Insel sowieso total überlaufen, heißt es. Wobei, schwer zu sagen, was "total überlaufen" hier bedeutet - denn der richtig "harte" Tourismus, wie man das hier nennt, habe auf Gomera noch nicht so richtig Einzug gehalten (anders als auf Teneriffa, Gran Canaria und Co.).Mehr Bilder hier >>
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