Heute geht's umgekehrt: hinauf mit dem Bus, hinunter auf Schusters Rappen - man muss sich ja nicht jeden Tag quälen, oder. Angepeilt ist die Wandertour vom "Roque de Agando" durch den "Barranco de Benchijigua" hinunter nach Playa Santiago. Von dort zurück nach Valle mit der Fähre, dem "Garajonay-Exprés".Überraschung - die selbe Busfahrerin wie gestern nimmt uns um kurz nach 8h im Ortsteil "La Puntilla" auf und bringt uns hinauf in den Nebelwald. Der hat heute seinen Namen wirklich verdient: wie im Gomera-Prospekt wabert es über die Lorbeerbäume und von ganz oben hat man den super Blick über die ganze Wolkenschicht hinüber nach Teneriffa, wovon man "nur" den riesigen Kegel des "Pico de Teide" aus Wolkenmeer aufragen sieht. Die Wetterprognose bestätigt sich also. Ebenso die Warnung aller Wanderführer und Reiseleiter, bei Ausflügen in die Berge grundsätzlich eine warme, zumindest winddichte Jacke mitzunehmen. Habe ich meine Wind- und Regenjacke die letzten Tage immer umsonst im Rucksack mitgeschleppt (und wg. "Calima" doch nie gebraucht), habe ich sie ausgerechnet heute zu Hause gelassen.
Ein Fehler, wie sich nach dem Aussteigen an der Kreuzung "Cruze de Zarcita" zeigt. Hier pfeift ein kühler Wind von Nordwesten über den Höhenkamm; da bleibt nur, schon mal das Ersatzhemd überzuziehen, das ich mir als Austausch für das später durchgeschwitzte Leibchen eingepackt habe. Aber kein Problem: der Wind lässt nach, kaum, dass man am Roque de Agando" den Weg in das tiefer gelegene Tal antritt. Der "Roque de Agando", einer von vielen Roques (Felsen), typische Wahrzeichen Gomeras. Allesamt in ihren Schloten erkaltete Lavapfropfen, die Millionen Jahre Erosion überstanden haben - anders als das Erdreich rundherum, das von Regen, Wind und Wetter komplett abgetragen wurde und verschwunden ist. Die ganze Insel, ein einziger geologischer Themenpark, gewisser Maßen. Sehr imposant anzusehen, und alles echt!
Ich mach's kurz: eine schöne Tour! Mal wieder ganz was anderes (nicht nur, weil bergab ;-), andere Vegatation (grüner), anderes Tal (flacher, weniger schroff), andere Eindrücke. Und ein verlassenes Bergdorf: Benchijigua - eigentlich, nicht mehr als vier, fünf Häuser (darunter die ehemalige Ortskneipe und die obligatorische Kapelle) - alles verlassen. Ringsum nur Ruhe und imposante Landschaft! (Während ich das schreibe, grölen draußen wieder die spanischen Nachbarn beim Minigolf, grrrrr).
Im weiteren Verlauf des Tales führt der Weg sanft bergab, entlang der Talflanke bis er schließlich auf dem Grund des Barranquos im - natürlich furztrockenen - Bachbett verläuft. Wasser gibt es trotzdem, Endlose Leitungen bringen das Nass aus Sammelbecken in den Bergen zu den Feldern und Gärten im Tal, wo es reichlich grünt. Die alten offenen steienernen Wasserkanäle sind nicht mehr in Betreib, statt deren hat man umgestellt auf Rohrleitungen aus Stahl und Kunststoff, die in waghalsiger Konstruktion scheinbar freischwebend den Bachläufen folgen. Nicht schön, aber effektiv.
An einigen total abgelegenen Weilern vorbei gelange ich schließlich auf das Sträßchen, das die restlichen fünf Kilometer ans Meer führt, eine Stunde weiterer Fußmarsch bis nach Santiago. Das dauert mir dann doch zu lange, schließlich ist schon nach 13h, die Fähre geht um 15.50h und ich will vor der Rückfahrt noch gemütlich Mittagessen und baden. Also schalte ich einen Gang höher und statt den Rest des Weges zu maschieren, falle ich einen gemütlichen Trab. Schließlich geht es leicht bergab, es weht ein kühles Lüftchen von vorn und die Sonne ist zu ertragen. Meinen morgendlichen Trainingslauf habe ich heute ja auch ausfallen lassen müssen. Und tatsächlich es geht: Mit Wanderschuhen, Pilgerstab und Rucksack trabe ich flott in Richtung Meer. In der Hälfte der Zeit bin ich da. Ja, subber, Baby - wer hätte das gedacht, auch noch eine sportive Einlage zur Krönung dieses Ausfluges.
Eigentlich wollte ich diese Tour ja per Mountain-Bike zurücklegen - wäre auch nett gewesen, immer nur downhill. aber mangels Teilnehmern musste Axel das Highlight "Bike und Boot" diese Woche ausfallen lassen. Also statt Bike und Boot gibt's heute "Hike und Boot" - auch recht. Das Boot? Das kam tatsächlich pünktlich kurz vor vier - eine Katamaranfähre des "Guarajonay-Exprés", der mich in 20 Minuten zurück nach Valle Gran Rey brachte. Und zum Mittagessen und Baden in Playa Santiago hat es auch noch gereicht.Mehr Bilder hier >>
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