Wenn es heute keine organisierte Wandertour gibt, dann muss ich halt selber eine organisieren - "Jenne spezial", wie es vom Reisebüro nicht angeboten wird. Also, Wecker auf 6h Ortszeit gestellt und um 6:45h aus dem Haus, draußen ist es noch stockfinster. Mit dem Leihrad das erste Stück aus dem Ort bis hinauf nach La Calera. Von nun an geht's zu Fuß. Erst die Straße entlang bis zum Ortsanfang von El Guro.
Im ersten Morgengrauen dann auf den "Kirchenpfad", über "la Matanza" hinauf nach Chipude. Laut Wanderführer über 1.000 Höhenmeter bergauf, Gehzeit 4 1/2 Stunden. Wenn es gut läuft und ich beizeiten (also bevor es all zu heiß wird) oben bin, habe ich vor, noch den Aufstieg auf die "Fortaleza" dranzuhängen. Dann muss ich nur noch irgendwie nach "Las Hayas" kommen, um dort bei "Ifigenia" in der berühmten "Bar Montaña" zu Mittag zu essen, bevor der Bus um ca. 14.55h zurück ins Tal fährt. Soweit der Plan à la "Jenne-Spezial-Tour".
Die Tourbeschreibung entspricht den Tatsachen. Ein steiler Aufstieg am Rand des Berranquos (Schlucht) hinauf in Serpentinen auf einem schmalen Pfad. Nach ca. einer Stunde habe ich die erste Anhöhe geschafft und der Weg führt jetzt weit weniger steil in eine Nebental, kreuzt ein, zwei Mal trockene Bachbetten um sich schließlich die längste Zeit einem alten Wasserkanal folgend bis zum ende des Tals auf die Anhöhe von "El Cercado" hinaufzuziehen. Es war eine gute Idee, mit den Hühnern aufzusteigen - so komme ich den steilsten Teil des Weges noch im Schatten des Hanges hinauf, erst weiter oben wird es sonnig, aber auch hier noch nicht zu heiß.
Ich liege gut in der Zeit und wähle die Abzweigung nach Chipude, von dort kommt man hinauf auf die Fortaleza. Um 11h bin ich schließlich in Chipude, wo man den Dorfplatz bereits für die 4-tägige Fiesta vorbereitet, hier diese Woche stattfindet. Eine große Sache für die streng gläubige Bevölkerung, wie man hört. Da kommt das Inselvolk von nah und fern angefahren, um mitzumachen. Auf der nächsten Anhöhe nach dem Dorf steht sie dann vor mir, die "Festung", la Fortaleza ein alles überragender Vulkanschlot am Rande der tiefsten, längsten und breitesten Schlucht Gomeras. Man stelle sich einen Haufen Lava vor, der aus einem Schlot austritt, sich darauf aufhäuft und dort erkaltet. Dann ziehe man die durch Erosion abgetragene Erde rundherum ab - übrig bleibt der Deckel aus Basaltgestein (?), der in der Tat an die Form einer Bergfestung erinnert.Eine gute halbe Stunde später beginnt die Kraxelei nach ganz oben. auf halbem Weg stoße ich mitten im Fels auf eine junge Forstbeamtin samt Hund, die hier offensichtlich aufpasst, dass sich lkeiner die Haxen bricht oder aber nach Waldbränden Ausschau halten soll. Ich erfahre es nicht, denn bevor mir einfällt, sie genauer zu befragen, bin ich schon ganz oben und die hübsche Rangerin ist verschwunden. Dafür der grandiose Rundum-Blick von 1.250 Metern Höhe und das gute Gefühl, es mal wieder geschafft zu haben.
Der Rest meines Planes geht allerdings nicht ganz auf, denn bis zu Ifigenia nach Las Hayas ist es zu Fuß zu weit, und Plan B - per Autostopp dorthin zu gelangen, entpuppt sich als aussichtslos, das kennt man hier offenbar nicht. Also dann in mittlerweile sengender Mittagssonne zurück nach Chipude und dort eingekehrt. Auch keine schlechte Alternative: ein kühles Bierchen auf schattiger Terrasse und ein leckeres Zicklein in Soße, gefolgt vom Gomerianischen National-Nachtisch "Leche asada" (der Franzose würde "Flan" dazu sagen) mit "Miel de Palma" (Dattelsirup) ist eine adäquate Belohnung für die heutige Anstrengung!
Zurück ins Valle geht's im Linienbus, der - Überraschung - von einer jungen Fahrerin über die kurvigen Sträßchen gelenkt wird. Voll die Emanzipation hier! Und auf der Rückfahrt durch den Lorbeerwald sehe ich dann auch zum ersten Mal tatsächlich ein paar Fetzen des typischen Passatnebels. Das Wetter dreht sich also, der heiße Wüstenwind scheint - wie angekündigt - auf dem Rückzug zu sein. Und keiner ist böse drüber.Mehr Bilder hier >>
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